Diesen Sommer verbrachten wir eine Woche in Südtirol. Schon bei der Urlaubsplanung fiel mir im Wanderführer der Marlinger Waalweg auf, der sich oberhalb von Meran von Töll bis nach Lana zieht. Angekommen an unserem Urlaubsort, schnürten wir an einem sonnigen Morgen also unsere Wanderstiefel und ließen uns mit dem Auto nach Töll bringen, um von dort nach Lana zurück zu unserer Unterkunft zu wandern.
Der Marlinger Waalweg verläuft entlang der Bewässerungsgräben am Gebirge und zieht sich etwa 12 Kilometer auf meist gerader Strecke durch Wälder, Apfelfelder und Weinberge. Zur linken Seite hin gibt es schöne Ausblicke auf das Etschtal mit seinen pittoresken Ortschaften Algund, Meran, Marling, Tscherms und Lana. Da es auf dem Weg kaum Steigungen gibt, eignet er sich vor allem für Familien mit Kindern oder für Personen, die auf anstrengende Auf- oder Abstiege lieber verzichten möchten.
Was ist ein Waalweg?
Waale sind Bewässerungsgräben, die es in Südtirol nur im Meraner Land und im Vinschgau gibt. Das Wasser wird aus den Bergen und Flüssen auf die landwirtschaftlichen Felder geleitet, wodurch deren Wasserversorgung sichergestellt wird. Der Marlinger Waalweg wurde Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut. Der Bau geht auf das Kartäuserkloster Allerengelberg im Schnalstal zurück, welches am Marlinger Berg Wein anbauen wollte. Zur Bewässerung musste ein Waal angelegt werden. Die Arbeiten dauerten 19 Jahre und verschlangen statt der geplanten 12.000 Gulden satte 80.000 Gulden.
Wanderung auf dem Marlinger Waalweg
Wir starten in Töll, wo der Marlinger Waalweg direkt auf dem Parkplatz des Wasserkraftwerkes beginnt. Es ist früher Morgen, die Temperaturen sind angenehm und der Tag verspricht sonnig zu werden. Durch unseren frühen Start haben wir zwei Vorteile. Zum einen ist die Sonne morgens noch gut zu ertragen, zum anderen ist der Wanderweg noch relativ leer und uns begegnen nur wenige Menschen.
Der erste Teil des Weges ist angenehm schattig und durch karge Felswände geprägt, an denen wir über Pfade oder Holzbrücken entlangwandern. Die Bewässerungsgräben werden in Rohren durch die Felsen geführt oder befinden sich direkt neben den Waalwegen.

Auf gehts!

Wandern auf dem Marlinger Waalweg

Vorbei an steilen Felshängen
Zu unserer Linken genießen wir stets den Ausblick auf das Tal und die angrenzende Bergkulisse, die bei uns immer wieder für „Ohs“ und „Ahs“ sorgt. So oft wir genau diese Landschaft auch schon gesehen haben, so oft haut sie uns dennoch um.
Weiter geht es oberhalb Merans über saftig grüne Wiesen und weitläufige Apfelplantagen, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Die Apfelbauern haben vorgesorgt und wissen offenbar genau, womit sie den Wanderern eine Freude machen können. Entlang des Waalweges finden sich immer wieder kleine Tische mit bereits gepflückten Äpfeln und Säften, an denen sich die Vorbeikommenden gegen einen kleinen Betrag bedienen dürfen.

Immer dem Waal folgen

Apfelfelder

Kleiner Snack gefällig?

Meran
Ab Marling gibt es auch Möglichkeiten zur Einkehr. Wir legen eine kleine Pause im Restaurant Schönblick ein, welches wie der Name schon vermuten lässt, mit seinem Ausblick auf Meran punktet und mit einer großen Auswahl Südtiroler Spezialitäten zu locken weiß. Doch wir sind zu früh, denn warme Küche gibt es erst später.
Am Wegesrand oberhalb von Marling befindet sich eine alte Waalhütte, in der die Waaler früher übernachteten oder bei Gewitter Schutz suchten. Die Aufgabe der Waaler war die Pflege des Waals und die Sicherstellung seiner Funktion. Wir entdecken auf unserer Wanderung auch ein Wasserrad, an dem ein Hammer befestig ist. Solange das Wasser fließt, dreht sich das Wasserrad und der Hammer schlägt auf eine Schelle. Dadurch wird ein Klang erzeugt. Früher war der ausbleibende Klang für den Waaler ein Zeichen, dass kein Wasser mehr fließt. Er musste in dem Fall sofort tätig werden, um das Problem zu lösen und die Wasserversorgung wieder herzustellen. Einst waren bis zu drei Waaler an dem Kanal beschäftigt. Heute gibt es nur noch einen Waaler, der für den Marlinger Waalweg zuständig ist.

Waalerhütte

Waal
Während wir an Apfelfeldern und Weinbergen vorbeiwandern, erblicken wir oberhalb von Tscherms Schloss Lebenberg. Die Burganlage stammt aus dem 13. Jahrhundert und gilt als das Wahrzeichen des Dorfes Tscherms. Sie ist heute in Privatbesitz, kann aber besichtig werden. Ein Wanderweg führt von Tscherms hinauf. Wir bleiben jedoch auf dem Waalweg und erreichen nach einigen Kilometern Lana, wo wir in der Nähe der Gondelstation des Vigiljochs ankommen. Bis zu unserer Unterkunft ist es noch ein nicht unerheblicher Fußmarsch, deshalb entscheiden wir uns, in einem der vielen Gasthäuser Lanas einzukehren und uns dort ein wenig zu stärken, bevor wir schließlich in unserem Hotel bei sommerlichen 30 Grad in den Pool hüpfen.

Burg Lebenberg

Mitten durch die Apfelplantagen
Marlinger Waalweg – Alle Fakten auf einen Blick
- Start: Töll (am Wasserwerk)
- Ende: Oberlana (in der Nähe der Gondelstation Vigiljoch)
- Länge: etwa 12 km
- Gehzeit: etwa 3 Stunden
- Schwierigkeitsgrad: leicht, kaum Steigung
- Besonderheiten: Wem 12 Kilometer zu lang sind, der kann den Weg ganz bequem verkürzen. Es gibt von Marling und Tscherms Wege, die hinauf bzw. hinab führen. Auf dem Waalweg gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten.
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Familienreise ins Meraner Land – Von Bergen, Palmen und Sommerglück
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Bist Du den Marlinger Waalweg schon gewandert? Wie hat es Dir gefallen? Verrate es mir in einem Kommentar!
Martina says
Liebe Sabine,
der Marlinger Waalweg ist für mich auch jedes Mal ein Highlight, wenn ich in der Region bin. Meistens nutze ich die Tour als gemütliche Einstiegswanderung.
Schade nur, dass die eigentliche Aufgabe des Waals durch die automatischen Bewässerungsanlagen immer mehr zurückgedrängt wurde. Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind ganz begeistert unter den „Wassersprengern“ hindurchgehüpft bin.
Dir vielen Dank für den schönen Bericht.
Liebe Grüße
Martina
Sabine says
Danke für Deinen Kommentar, liebe Martina.